Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern
Österreich hat nach langjähriger Wartezeit
wieder einen Doppel-Skisprung-Olympiasieger von der Großschanze.
Der Kärntner SSLK-Athlet, Schüler des BORGs Spittal
/ Drau Thomas Morgenstern triumphierte am Samstag im Einzelspringen
und am Montag im Teambewerb in Pragelato bei den Olympischen Winterspielen
Turin 2006.
Einzelbewerb:

Mit einem hauchdünnen Punktevorsprung siegte der sympathische
Athlet vor seinem Tiroler Teamkollegen Andreas Kofler.
Nur ein Zehntelpunkt entschied über Gold und Silber.Morgenstern
fing mit 276,9 Punkten den Halbzeit-Spitzenreiter Kofler ab. Umgerechnet
betrug der Vorsprung des 19-Jährigen auf seinen 21-jährigen
Teamkollegen 18 Zentimeter.
Hinter den beiden Österreichern wurde Bystol mit Riesenabstand
(250,7 Punkte) Dritter.
Es war dies der erste Olympiasieg für die ÖSV-Adler
seit 1992 (Ernst Vettori) und erst der dritte Doppelsieg bei den
Spielen nach 1976 und 1992.
Die überlegene Manier, mit der die in der Saison oftmals
auch vom Pech verfolgten
Youngsters im ÖSV-Team die Konkurrenz dominierten, war beeindruckend.
Obwohl hinter ihnen drei Norweger lauerten, behielten sie die
Nerven.
Morgenstern landete bei 133,0 und 140,0 Metern, Kofler bei 134,0
und 139,5. Nur Bystöl im zweiten Durchgang (131,5) und der
viertplatzierte Roar Ljökelsöy im ersten Sprung (131,0)
kamen ansonsten überhaupt über die 130-m-Marke.

1. Thomas Morgenstern AUT 276,9 133,0 / 140,0
2. Andreas Kofler AUT 276,8 134,0 / 139,5
3. Lars Bystöl NOR 250,7 127,5 / 131,5
4. Roar Ljökelsöy NOR 242,8 131,0 / 125,0
5. Matti Hautamäki FIN 242,4 126,0 / 129,5
6. Andreas Küttel SUI 239,1 127,5 / 127,0
7. Björn Einar Romören NOR 238,2 128,5 / 125,5
8. Takanobu Okabe JPN 236,8 125,0 / 128,5
9. Janne Ahonen FIN 234,1 123,5 / 128,5
10. Jakub Janda CZE 230,5 122,0 / 128,0
Teambewerb:
Ein an Dramatik kaum zu überbietender Teambewerb ereignete
sich am Montag auf der Großschanze in Pragelato. Bis zum
letzten Sprung war die Zuteilung der Medaillenfarben nicht klar.
Dann schrieb jedoch der nervenstarke SSLK-Athlet Thomas Morgenstern
mit seinem 140,5 Meter Sprung Sportgeschichte. Er sicherte Österreich
den ersten Olympiasieg im Teambewerb. Ein wahrlich tolles Ereignis
an einem für Österreich tollem Olympiatag (3 Goldmedaillen
und 2 Bronzemedaillen).
(Auszug aus www.orf.at)
Österreichs Adler haben ihren Höhenflug bei den XX.
Olympischen Winterspielen fortgesetzt und erstmals in der Geschichte
der Spiele Mannschaftsgold im Skispringen geholt.
Andreas Widhölzl, Andreas Kofler, Martin Koch und Thomas
Morgenstern schafften in dieser Reihenfolge nach dem Großschanzen-Doppelsieg
durch Morgenstern und Kofler den zweiten Coup.Finnland musste
sich nach dramatischem Kampf nur 7,4 Punkte hinter Österreich
mit Silber begnügen, Bronze ging an Norwegen.
Der Bewerb hatte für Österreich alles andere als viel
versprechend begonnen, denn Widhölzl brachte Österreich
nach einem 122-m-Satz ins Hintertreffen und nur auf Rang sechs.
Doch der Silbermedaillengewinner vom großen Bakken, Andreas
Kofler, sorgte mit einem 133,5-m-Flug, dem weitesten im 1. Durchgang,
für die Führung. Diese Topposition konnten die rot-weiß-roten
"Adler" auch nach den 122 Metern von Martin Koch halten,
Olympiasieger Morgenstern schaffte auf "seiner" Schanze
in seiner Gruppe mit 129,5 m den weitesten Satz und sorgte damit
für die Halbzeitführung der Truppe von Cheftrainer Alexander
Pointner.
Im zweiten Durchgang steigerte sich endlich auch Widhölzl
entscheidend im Bewerb, mit 129 Metern zeigte er den weitesten
Sprung überhaupt in allen Versuchen auf dieser Schanze inklusive
Training. "Mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen."
Nach insgesamt fünf Sprüngen führte weiter das
ÖSV-Team, allerdings nur noch mit 0,9 Punkten Vorsprung auf
Finnland.
Kofler hielt dem Druck im sechsten "Mini-Durchgang"
stand, er vergrößerte den Vorsprung auf 14,7 Punkte.
"Ich habe meinen Job gut erledigt, auch wenn im 2. Durchgang
die Bedingungen schwieriger waren", sagte Kofi.
Koch steigerte sich um 6,5 m gegenüber Durchgang eins auf
128,5 m, der Kampf um Gold artete nach einem zweiten Patzer von
Tommy Ingebrigtsen (zwei Mal 116,5) zum Zweikampf Österreich
- Finnland aus. Vor dem letzten der acht Sprünge führten
die ÖSV-Adler nur noch mit 5,4 Zählern bzw. 3 Metern
wie schon zur "Halbzeit".
Das große Finale verlief ungemein dramatisch, alle vier
Medaillenkandidaten packten die weitesten Sprünge aus. Doch
Morgenstern behielt die Nerven, segelte auf 140,5 m hinunter.
1. Österreich (Widhölzl, Kofler, Koch, Morgenstern)
984,0
2. Finnland (Kiuru, Happonen, Ahonen, Hautamäki) 976,6
3. Norwegen (Bystöl, Romören, Ingebrigsten, Ljökelsöy)
950,1
4. Deutschland (Neumayer, Schmitt, Uhrmann, Späth) 922,6
5. Polen (Hula, Stoch, Mateja, Malysz) 894,4
6. Japan (Ito, Ichinohe, Kasai, Okabe) 893,1
7. Schweiz (Möllinger, Ammann, Landert, Küttel) 886,9
8. Russland (Kornilow, Ipatow, Wassiliew, Fatschullin) 856,8
Das SSLK-Team gratuliert dem hervorragenden Sportler von ganzem
Herzen.
Thomas Morgenstern: Der neue Sprungstar
Mit 19 zum Triumph - Der rotzfreche Kärntner bestätigt
alle Langzeit-Prognosen.
(www.diepresse.com) 18.02.2006
Der frühere ÖSV-Cheftrainer Hannu Lepistö verglich
ihn vom Absprung her mit dem großen Matti Nykänen,
Toni Innauer bezeichnet ihn seit Jahren als "Rohdiamanten":
Thomas Morgenstern gilt seit einigen Jahren als größtes
Talent im österreichischen Springerlager, mit 19 hat er am
Sonntag in Pragelato ganz groß zugeschlagen und kürte
sich zum vierten österreichischen Skisprung-Olympiasieger.
Nur einen Zehntelpunkt vor seinem Teamkollegen Andreas Kofler.
Insgesamt ist es schon die fünfte Medaille bei einem Großereignis.
Geboren in Spittal/Drau, wohnhaft in Lieserbrücke. Thomas
Morgenstern lässt in allen seinen Statements keinen Zweifel
daran, dass er ein echter Kärntner ist. Deftige, unbekümmerte
Sprüche, mit seiner rotzfrechen Art hat er im Team von Cheftrainer
Alexander Pointner seinen fixen Platz gefunden.
"Er ist unheimlich ehrgeizig und sehr zielstrebig. Was er
sich in den Kopf setzt, will er durchsetzen. Er befindet sich
in allen Bereichen noch in einer Lernphase. Sein Ehrgeiz ist die
beste Voraussetzung für einen absoluten Winnertypen",
beschreibt Pointner den Kärntner kurz.
"Ich bin über das Toni-Innauer-Skifest in Bad Kleinkirchheim
zum Skispringen gekommen", erzählte Morgenstern, der
aus einer sehr sportlichen Familie kommt. Sein Onkel väterlicherseits,
Alois Morgenstern, war 1976 Olympia-Siebenter im alpinen Slalom.
Dieser Onkel fungierte u.a. auch als Trainer des Fußball-Regionalligisten
Spittal/Drau, zwei Söhne von Alois Morgenstern, also Cousins
von Thomas, spielten beim FC Lustenau. Morgenstern besucht das
Sport-BORG in Spittal. Sein Vorbild ist der Japaner Kazuyoshi
Funaki.
Schon 2003 zeigte der damals 16-jährige Kärntner erstmals
groß auf und gewann in Liberec sein bisher einziges Weltcupspringen.
In diesem Jahr holte er im Einzel und mit dem Team den Junioren-WM-Titel.
Schon im Jahr darauf freute er sich bei der Skiflug-WM über
die erste (bronzene) Medaille bei den "Großen",
2005 kürte er sich bei den Weltmeisterschaften in Oberstdorf
gar zum Team-Doppelweltmeister. Die erste Einzelmedaille bei einem
Großereignis kam im vergangenen Jänner mit Bronze bei
der Heim-Skiflug-WM auf dem Kulm.
"Das Skispringerische zum Olympiasieger hat er schon",
hatte Toni Innauer, der Nordische Direktor, in seiner Vorausschau
auf den zweiten Bewerb gemeint. Was Morgenstern noch fehlt? "Er
ist noch nicht so abgeklärt. Bei solchen Großereignissen
geht es auch viel um mentale Stärke." Diese Aussagen
haben sich überholt. Mit einem 140-m-Flug und einer neuen
Lockerheit hat er auch seine Nerven und den oftmals zu großen
Ehrgeiz besiegt.
Stimmen zum Doppelsieg der ÖSV-Adler auf der Großschanze
Thomas Morgenstern: "Anhören tut sich das super, Olympiasieger!
Ich habe mir schon nach den Trainingsleistungen gedacht, wir wären
verdient auf dem Stockerl, nur wer ganz oben sein wird, das war
fragwürdig. Heute war das Glück auf meiner Seite, es
tut mir Leid um 'Kofi', aber das Zimmerduell haben wir gewonnen.
Es ist ein Wahnsinn, das ist nicht so, dass das jeden Tag passiert.
Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich brauche Zeit, das
zu realisieren, einfach geil. Ich dachte, wie ich auf dem Balken
war: 'Der geht dahin, ich hüpf ins Loch runter. Mach das,
was du kannst', hab ich mir gesagt, und der Ski hat gebissen.
Dann habe ich nur noch die Linie vorbeifliegen sehen. Ich muss
das erst einmal checken."
Andreas Kofler: "Zuerst einmal habe ich eine Riesengaudi,
ich habe mir nicht gedacht, dass ich eine Medaille mache. Andererseits
tut der Zehntelpunkt ein bisschen weh, es war ein großes
Ziel. Aber ich hoffe, das waren nicht meine letzten Olympischen
Spiele. Was ich auf der kleinen Schanze verpatzt habe, habe ich
heute richtig gemacht. Ich muss den Zimmerkollegen (Morgenstern)
noch ein bisschen z'sammscheißen, denn ein Zehntelpunkt
tut es nicht."
Andreas Goldberger: "Das hätte sich niemand gedacht,
was die (Österreicher/Anm.) im Finale noch ausgepackt haben,
war ein Wahnsinn. Die Sprünge waren am Limit, die haben voll
ausgepackt. Das ist beinhart. Die mussten auf Hill-Size runterspringen
und einen Telemark machen."
Alexander Pointner: "Gewusst habe ich es schon öfter,
es hat mir keiner mehr richtig geglaubt, weil immer etwas schief
gegangen ist. Aber sie sind erst 19 und 21 und noch keine so großen
Routiniers. Das ist eine wunderbare Erfahrung, das stärkt
sie ungemein."
Toni Innauer: "Ein großartiger Tag für unsere
gesamte Gruppe, letztendlich auch für den Verantwortlichen
in diesem Bereich. Es ist ein bisschen eine Wiederholung der Geschichte
vom Bergisel - Schöne Grüße an Charlie, die Kärntner
haben die Nase vorn, wenn es darum geht. Ich kann das Einzelschicksal
vom 'Kofi' bestens nachempfinden. Aus meinem persönlichen
Schicksal verstehe ich, wenn er sich heute ein bisschen schwerer
tut zu jubeln als der 'Morgi'."
Anmerkung: 1976 in Innsbruck siegte der Kärntner Karl "Charlie"
Schnabl von der 90-m-Schanze (damals Großschanze) vor dem
Vorarlberger Toni Innauer.
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